Juli 17, 2009...12:56

Urlaubs-Tipp mal anders: Bunker Eichenthal (Mecklenburg-Vorpommern)

Zu den Kommentaren

Fotograf: Willi Schewski - www.fotopresse-nord.de

Fotograf: Willi Schewski - www.fotopresse-nord.de

1986 fertiggestellt wurde der zu DDR-Zeiten erbaute Bunker mit der politischen Wende kurz nach seiner Errichtung militärisch überflüssig.

Geflutet und versunken geriet er in Vergessenheit und tauchte im Jahr als „Geisterschiff der Bunkerwelten“ wieder auf.

Heute erleben Besucher hier durch eine simulierte Gefechtssituation das gewaltige Szenario des Atomkriegs. Sie riechen förmlich die Offiziere und Mannschaften, hören die Befehle und ein einsames Gebet.

Die letzten Sekunden werden angezählt. Diese Inszenierung versteht sich als militärhistorisches Mahnmal gegen das Wettrüsten und den Kalten Krieg.

Mit nachhaltiger Eindringlichkeit vermittelt dieser Bunker seinen Besuchern mehr als nur eine Ahnung vom Krieg – egal von wel-
chem! Der Bunker ist von März bis Oktober täglich von geöffnet und kann auch im Winter jeden Samstag und Sonntag
von besichtigt werden.

Bunker Eichenthal
Eichenthaler Weg 6, Lindholz OT
Eichenthal,
www.bunker-302.de


3 Kommentare

  • Ein Besuch dieses Bunkers wird empfohlen. Er ist ein Relikt des Kalten Krieges. An dieser Tatsache ändert sich auch nichts mit seiner geringeren Bedeutung im System im Vergleich mit den
    beiden anderen Bunkern gleichen Typs und gleicher Zweckbestimmung. Jeder sollte und muss sich eigenes Bild machen, insbesondere darüber ob Eindrücke und Empfindungen den persönlichen Vorstellungen und den vielversprechenden Ankündigungen entsprechen.
    siehe z.B. http://www.bunkernetzwerk.de/nuke/index.php, Beitrag „Meine Erlebnisse im Bunker 302……“.
    Als Insider muss ich leider sagen das die Inszenierung wenig Bezug zu Funktion und Zweckbestimmung dieser Anlage hat, auch wenn sie als Mahnmal des Kalten Krieges verstanden werden soll. Erläuterungen und Erklärungen zu dieser Anlage sollten kritisch hinterfragt werden.

  • Bunker Eichenthal- Militärgeschichte gestern und heute.
    [angeregt u. geschrieben als Antwort auf Beiträge im Internet, Printmedien, Hörfunk- u. TV-Sendungen- ein Nachschlag zum Kommentar vom 18.Juli 2009)

    Wohl wahr, eine zunächst fast aussichtslose Aufgabe, die sich der Betreiber der einstigen Troposphärenfunkzentrale 302 gestellt hat. Mit der Ansprache Bad Sülze war sie im Sprach-gebrauch zu Zeiten der DDR nur wenigen Eingeweihten bekannt. Als Stütznachrichtenzentra-le 302 Langsdorf im gedeckt vorbereiteten Nachrichtensystem der NVA kannten sie die Nachrichtenorgane höherer Führungsebenen. Der Betreiber hat die Bunkeranlage für Interes-sierte an Militärgeschichte der DDR, Urlauber, Touristen und Neugierige begehbar gemacht, will damit ein Mahnmal setzen gegen Wettrüsten und den Kalten Krieg. So man in der Nähe ist sollte man einen Besuch einplanen. Mit den Füßen muss man allerdings auf dem Boden der Tatsachen bleiben. Es ist weder ein Geisterschiff noch ranken sich heimliche Geschichten um den Bunker. Man riecht weder Offiziere noch Mannschaften, geschweige denn wurde dort jemals ein Gebet gen Himmel geschickt. Die Dramatik der vorgestellten Gefechtssituation soll an das menschliche Ende in einen Atomkrieg erinnern, möglicherweise ist es auch nur ein Ersatz für fehlende Sachkenntnis zur Vermittlung von militär- geschichtlichen Hintergründen, Fakten und Details zu Funktion und Zweckbestimmung des Troposphären- Nachrichtensys-tems und der Station Eichenthal. Sicher, gut gemeint und ausgeführt als mahnende Erinne-rung, wirtschaftlich gut gedacht als Werbung für Einnahmen. Doch mit einem solchen Szena-rio hatte die Anlage absolut nichts zu tun. Genau das ist das Problem vieler Besucher, wor-über sie in Foren berichten. Sie klagen über Art und Weise wie ihnen begegnet wird, über die wenigen Informationen, die über das Troposphären-Nachrichtensystem aber auch die Anlage selbst vermittelt werden. Konkrete Fragen finden wenig glaubhafte Antworten, obwohl dazu inzwischen ausreichend Informationen im Internet und Literatur zur Verfügung stehen. Das Buch von Götz Thomas Wenzel „Geheimobjekt Atombunker“ ist allerdings weniger geeig-net. Antworten dazu werden in einer Rezension gegeben, siehe http://www.hptnzmfnv.homepage.t-online.de/Texte/Rezension.htm Auch hier gilt der Grundsatz, jeder bilde sich sein eigenes Urteil. Für Außenstehende, Unkundige, mit der Sache nicht Befasste ein allerdings schwieriges Unterfangen. Es wäre einfach dem heute vermittel-ten politischen Geschichtsbild über die DDR zu folgen, aber ist das Sinn und Zweck der Aus-einandersetzung mit der Geschichte ?. Der Bunker stellt weder eine Sensation noch etwas Besonderes im Vergleich mit anderen Bunkeranlagen in Ost und West dar. Er wird als „ein-zigartig“ nur seiner Vermarktung wegen gepriesen. Gelegentlich ist zu lesen, der Bunker ist dem Bunker der Bundesregierung in Ahrweiler gleichgestellt, oder, zwischen Eichenthal und der Führungsstelle der Rotbanner-Flotte wurde extra ein Fernmeldekabel verlegt, oder, der Autor o.a. Buches ist Sachverständiger für Bunkeranlagen. Das alles ist schon mehr als merkwürdig!. Die Frage nach den Quellen solcher Meldungen kann von Insidern schnell be-antwortet werden. Der Bunker wird weder von 9 m Erde überdeckt, noch wurde er 1986 fer-tig gestellt, wie oft zu lesen ist. Er ist einer von drei Typenbauten die in der DDR errichtet wurden. Über seiner Bunkeroberfläche liegt eine Sand- und Kiesschicht mit einer Höhe von 1,05 m, zur Mitte hin auf 1,20 m ansteigend, darüber eine Betonglocke mit einer Dicke von 0,60 m, überdeckt mit einem Erdaufwurf von ca. 0,65 m. Zu bemerken bleibt sein relativer Leerstand an Troposphären- und allgemeiner Nachrichtentechnik und die Tatsache, dass der Bunker erst 1986 fertig gestellt, damit ein Jahr später ins Netz ging. Darin unterscheidet er sich von den beiden Bunkern in Wollenberg und Röhrsdorf. Er verblasst im Schatten des „Glanzes“ dieser, deren Bedeutung aus operativ- strategischer Sicht weitaus höher zu bewer-ten ist. Operative, finanzielle und ökonomische Gründe in der DDR und im Ausland führten zu Änderungen der Planungen im Troposphären-Nachrichtensystem. Nach Fertigstellung des Bunkers der „302“ blieb er unter Berücksichtigung seiner Möglichkeiten militärisch „fast“ bedeutungslos. Das aber ist bei Kenntnis der Sachlage erklärbar, vermittelbar, hat weder et-was mit Sensation oder Geheimnisvollen zu tun, noch ist es ein Grund für reißerische Titelzeilen in den Medien. Die gebotenen Erklärungen zu verstehen, sie zu werten bleibt allein Sache des Besuchers. Er möge sie als interessant, verklärt, unwahr, spekulativ oder auch als spektakulär empfinden. Ich empfehle den Besuch im Bunker Eichenthal, gleichzeitig auch im Bunker Wollenberg. Er stellte die einzige Gegenstelle von Eichenthal dar. Besucher werden hier nicht nur optisch, sondern auch militärgeschichtlich eine bemerkenswerte Führung erleben.


Eine Antwort schreiben